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Aktiv sein

Ehrenamtliches Engagement wirkt.

Das finden zum Beispiel laut einer Umfrage der Ehrenamtskoordination 94 Prozent der befragten Ehrenamtlichen, die sich in Thüringen für Geflüchtete engagieren. Auch das Engagement für andere zugewanderte Gruppen und für das gemeinsame Miteinander aller Menschen in unserem Land wirkt positiv. Damit das Engagement im Integrationsbereich für alle Beteiligten gut funktioniert und zufriedenstellend verläuft, gibt es hier einige Tipps und Wissenswertes.

Ausführliche Ideen und Hinweise stellt das Handbuch „Aktiv für Geflüchtete“ bereit. Es richtet sich vordergründig an Ehrenamtliche. Ein Blick in die Broschüre lohnt sich aber auch für alle anderen, die für Geflüchtete oder in der Ehrenamtsarbeit tätig sind. Eine aktualisierte Übersicht zentraler Ansprechpersonen und Kontakte in Thüringen steht online zur Verfügung.

Tipps und Hinweise

Engagement für Geflüchtete und im Integrationsbereich

Ehrenamtliche Tätigkeiten können in vielen Alltags- und Lebensbereichen angeboten werden, wo Migrantinnen und Migranten Austausch, Unterstützung und Begleitung nutzen möchten. Insbesondere für die freiwillige Begleitung von Geflüchteten gibt es verschiedene, thematisch umfangreiche Online-Angebote. Viele der dort aufbereiteten Themen eignen sich ebenso für die ehrenamtliche Arbeit mit nicht geflüchteten Zugewanderten:

Das Ehrenamtsportal der Volkshochschulen (VHS) bietet viele Anregungen und Hinweise zu zahlreichen Themen rund um die ehrenamtliche Begleitung von Geflüchteten. Die Themenwelten wurden gemeinsam mit Ehrenamtlichen ausgewählt, darunter:

  • Alltag in Deutschland
  • Integration in Ausbildung, Studium und Beruf,
  • Fluchtursachen, Wege und Erfahrungen,
  • Umgang mit Rassismus und Diskriminierung,
  • Asylrecht und Behördendschungel

In der Rubrik „Engagiert für und mit Flüchtlinge/n“ sammelt der Flüchtlingsrat Thüringen e. V. nützliche Handreichungen zu verschiedenen Themen. Darunter sind Materialien für Schulen und Bildungseinrichtungen, gegen Stimmungsmache, zur Arbeit in Kirchgemeinden, social media und Internet, Begleitung und allgemeine Informationen.

Fluechtlingshelfer.info stellt eine umfangreiche Sammlung von Materialien und Handreichungen „Für Engagierte“ bereit. In der Rubrik „Für Geflüchtete“ sind die Informationen zudem mehrsprachig oder in einfacher Sprache bereitgestellt.
Das Angebot umfasst unter anderem die Themenfelder:

  • Asylverfahren & Aufenthaltsrecht, Familiennachzug, drohende Abschiebung
  • Ausbildung, Arbeit, Schule und Bildung
  • Unterbringung und Wohnen, Gesundheit
  • Hilfen und Materialien zum Deutschlernen
  • Deutschlernen
  • Förderung von Gleichberechtigung und Empowerment
  • Verbraucherschutz für Geflüchtete

Weitere interessante Informationsportale:

  • Handbook Germany informiert mit Texten und Videos zum Alltag und Leben in Deutschland in mehreren Sprachen (Arabisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Paschto, Persisch, Türkisch).
  • Über einen umfangreichen Newsletterservice informiert der Flüchtlingsrat Thüringen e. V. zu allen aktuellen migrationsspezifischen Themen. Auch wissenswerte Arbeitshilfen zu den Themen Flucht und Asyl gibt es dort.  

Die eigene Rolle

Ehrenamtliche Unterstützung ist immer ein Angebot. Es kann auch Situationen geben, in denen gut gemeinte Hilfe nicht angenommen wird. Die Gründe dafür sind individuell sehr verschieden. In solchen Situationen hilft Verständnis im doppelten Sinne: für die Situation der begleiteten Person und auch für die eigene Rolle im Ehrenamt. Die Themenwelt „Meine Rolle im Ehrenamt“ auf dem VHS-Ehrenamtsportal bietet dafür Orientierung. Ehrenamtliche geben selbst Tipps für Ehrenamtliche weiter und berichten von Erfolgsfaktoren.

Perspektivwechsel

Der Kontakt kann dann gelingen, wenn Ehrenamtliche sensibel und aus einer fragenden Haltung heraus erwünschte Unterstützung anbieten. Dem Gegenüber zuzuhören und die eigene Perspektive zu hinterfragen sind dabei wichtige Werkzeuge. Im Film „Blickwechsel - welche Hilfe heißt Willkommen?“ berichten Geflüchtete von ihren Erfahrungen mit freiwillig Engagierten.

Augenhöhe

Ehrenamtliche in Thüringen sprachen sich in einer Umfrage in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Organisationen (zum Beispiel Behörden, Beratungsstellen, Vereinen…) für eine bessere Anerkennung ihrer Kompetenzen und mehr „Augenhöhe“ aus.

Auch an freiwillig Engagierte wird immer wieder die Anforderung gestellt, dass sie Zugewanderten gleichberechtigt und „auf Augenhöhe“ begegnen (sollten). Allerdings ist die Begegnung zwischen Ehrenamtlichen und neu Zugewanderten in vielen Punkten durch Ungleichheit gekennzeichnet. Beide Seiten bringen möglicherweise ganz unterschiedliche Lebenssituationen, Voraussetzungen, Wünsche und Erwartungen ein. Das kann zu Missverständnissen führen. Es bietet aber auch Chancen, voneinander zu lernen, wenn wechselseitig Erwartungen und Wünsche miteinander besprochen werden.

Das Video „Unterstützungsarbeit - auf Augenhöhe mit Geflüchteten?!“ thematisiert Ungleichheiten in der Begegnung zwischen Ehrenamtlichen und Geflüchteten. Der Film lädt zur Reflexion ein und fordert auf, die Individualität und Selbstbestimmung von geflüchteten Menschen im Blick zu halten.

Einige Tipps, damit ehrenamtliche Angebote gut ankommen können:

  • eigene Erwartungen und Rollen im Engagement bewusstmachen
  • Hilfe zur Selbsthilfe anbieten, und auch ein „nein“ akzeptieren
  • Entscheidungen selbstbestimmt der begleiteten Person überlassen
  • rechtzeitig fachliche Beratung durch professionelle Stellen nutzen
  • regelmäßig mit anderen Ehrenamtlichen austauschen
  • durch Weiterbildung eigenes Wissen erweitern und auch interkulturelle Kompetenz stärken

Zusammenarbeit in Helferkreisen und Initiativen

Die Idee, andere zu unterstützen oder etwas zu verändern, verbindet Menschen in Initiativen und Helferkreisen. Je besser die Verständigung über gemeinsame Motivationen und Ziele gelingt, desto eher kann die gemeinsame Arbeit zufriedenstellend und erfolgreich verlaufen. Ein regelmäßiger Austausch über Aufgaben, Vereinbarungen und Erfahrungen im Umgang miteinander ist daher besonders wichtig. Der „Reflexionsleitfaden für Initiativen in der Flüchtlingsunterstützung“ des Flüchtlingsrates Thüringen e. V. kann dabei helfen, die Motivation, Ziele und Aufgabenverteilung gemeinsam zu planen.

Vernetzung und Beteiligung untereinander

Freude und Motivation im ehrenamtlichen Engagement entstehen auch durch Austausch mit Gleichgesinnten. Dank verschiedener und oft kostenfreier Online-Werkzeuge ist Zusammenarbeit auch auf Distanz möglich. Mit solchen Tools lassen sich zum Beispiel Videokonferenzen durchführen, Termine abstimmen, Dateien weitergeben oder gemeinsam Dokumente bearbeiten. Auch Beteiligung lässt sich online organisieren mit Hilfe von digitalen Tools für Beteiligungsprozesse.

Versicherung im Ehrenamt

Wer sich ehrenamtlich engagiert, kümmert sich häufig um das Wohl anderer. Doch wie sind Ehrenamtliche versichert, wenn ihnen selbst etwas geschieht? Der Versicherungsschutz für Ehrenamtliche und freiwillig Engagierte ist nicht einheitlich geregelt. Es kommt immer darauf an, wie die Tätigkeit organisiert ist und bei welchem Träger.

Ehrenamtliche sollten sich daher immer für ihr konkretes Engagement informieren:

  • Welche Absicherung besteht, wenn ein Unfall passiert oder ein Haftpflichtschaden entsteht?
  • Ist das Engagement über eine Einsatzstelle versichert? Welchen Schutz gibt es konkret?
  • Welche Versicherungen bestehen privat? Gelten sie auch für ehrenamtliches oder selbstorganisiertes Engagement?
  • Gibt es eventuell Lücken oder persönliche Bedarfe, die privat abgesichert werden sollen? (Ist zum Beispiel eine individuelle Absicherung für Sachschäden nötig, falls während der ehrenamtlichen Tätigkeit ein persönlicher Gegenstand Schaden nimmt?)

In einigen Bereichen sind Ehrenamtliche über den gesetzlichen Unfallschutz einer Trägerorganisation abgesichert (zum Beispiel in Einrichtungen der Wohlfahrtspflege, in Kirchen oder bei kommunalen Trägern).

Vereine dagegen sind nicht verpflichtet, freiwillig Engagierte zu versichern. Wer in einem Verein ehrenamtlich tätig ist, sollte daher genau nachfragen, ob und welcher Versicherungsschutz besteht.

Wer selbstorganisiert aktiv ist oder sich in einer Initiative ohne formale Organisationsstruktur engagiert, sollte prüfen, ob eine private Unfall- und Haftpflichtversicherung vorhanden ist.

Wenn keine Absicherung über einen Träger oder eine private Versicherung besteht, greift unter Umständen die Versicherung des Landes Thüringen. Dieser Versicherungsschutz gilt auch für Migrantinnen und Migranten sowie für Geflüchtete, wenn sie als Freiwillige in einer Initiative engagiert sind.

Das Land Thüringen hat eine Unfall- und Haftpflichtversicherung für bürgerschaftlich Engagierte abgeschlossen. Die Ehrenamtsstiftung stellt dazu einen druckbaren Flyer bereit.

Das Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) informiert in der Broschüre „Zu Ihrer Sicherheit” (2018) über die gesetzliche und private Unfallversicherung im ehrenamtlichen und freiwilligen Engagement. Das Bürgertelefon des BMAS für Fragen zum Thema „Unfallversicherung/ Ehrenamt" ist unter der Telefonnummer 030 221 911 002 erreichbar (montags bis donnerstags, 8:00 bis 20:00 Uhr).

Wichtig:
  • Schon durch einen kurzen privaten Umweg kann ein bestehender Versicherungsschutz im Ehrenamt erlöschen.
  • Die sogenannte „Nachbarschaftshilfe“ sollte unbedingt privat versichert werden.

Für den Versicherungsschutz ist oft entscheidend, ob das Engagement als ehrenamtlich gilt oder als private „Nachbarschaftshilfe“ eingestuft wird. Nachbarschaftshilfe fällt manchmal nicht unter den Versicherungsschutz für ehrenamtlich oder bürgerschaftlich Engagierte. Es kann daher ratsam sein, sich formal einer freiwilligen Initiative oder Gruppe anzuschließen.

Unterscheidung und Beispiel für Nachbarschaftshilfe und ehrenamtlichem Engagement:

           „Nachbarschaftshilfe“          Ehrenamtliches Engagement
  
  • findet privat zwischen Einzelpersonen/Bekannten statt.
  • kann auch bezahlt sein, ist aber nicht nachhaltig auf Gewinn ausgerichtet.
 
 
  • findet im öffentlichen Raum statt.
  • wird kooperativ mit anderen ausgeübt (z. B. in einer Gruppe, Initiative, einem Verein…).
  • ist im Normalfall unbezahlt.
 
  
  • Jemand begleitet in der Freizeit eine Nachbarin zum Termin bei einer Behörde.
  • Jemand trifft sich mit einer anderen Person für ein privates Sprachtandem.
 
 
  • Jemand ist in einer Initiative engagiert, die Geflüchtete unterstützt. Im Rahmen dieses Engagements begleitet der/die Ehrenamtliche eine hilfesuchende Person zur Behörde.
 

Finanzielle Unterstützung

Ehrenamtliches Engagement kann mit guten Ideen und Einsatzbereitschaft viel erreichen. Die Umsetzung mancher Ideen braucht aber auch finanzielle Ressourcen.
Diverse Förderprogramme ermöglichen die finanzielle Unterstützung ehrenamtlicher Arbeit.

Projekte, die der sozialen und gesellschaftlichen Integration von Migrantinnen und Migranten dienen, können durch die Projektförderung der Beauftragten für Integration, Migration und Flüchtlinge unterstützt werden:

  • Anträge können schriftlich von rechtsfähigen Trägern gestellt werden, die in der Arbeit mit Migrantinnen und Migranten tätig sind.
  • Förderfähig sind beispielsweise Aktivitäten, Veranstaltungen, Begegnungs- oder Kulturprojekte oder Angebote im Bereich der Bildungsarbeit.
  • In der Regel beträgt die Förderhöchstsumme 6.000 Euro.

Eine Übersicht zu weiteren Fördermöglichkeiten in Thüringen und bundesweit stellt die Beauftragte bereit.
Über den Thüringer Engagementfonds NEBENAN ANGEKOMMEN können Tandem-Initiativen, Willkommens-Initiativen und kulturvermittelnde Projekte mit bis zu 1.000 Euro gefördert werden. Antragsberechtigt sind Vereine, anerkannte Religionsgemeinschaften, Initiativen und weitere Träger. Häufige Fragen beantworten die FAQ zum Engagementfonds.

Hinweis:
Bei allen Förderprogrammen und Fördermöglichkeiten muss der Antrag vor dem Start des Projektes gestellt werden. Vor Beginn des Projektes ist immer der rechtskräftige Förderbescheid abzuwarten. Manchmal gibt es die Möglichkeit, sich eine Erlaubnis zum vorfristigen Maßnahmenbeginn einzuholen. Ein Projektstart ohne Förderbescheid führt dazu, dass die Maßnahme nicht mehr förderfähig ist und man kein Geld erstattet bekommt!

Spenden

Die Akquise von Spenden und Spendengeldern kann dazu beitragen, eine gute Grundlage für die Umsetzung von ehrenamtlichen Projekten oder die Aktivitäten in Helferkreisen zu schaffen. Voraussetzung dafür ist es, das eigene Vorhaben öffentlichkeitswirksam bekannt zu machen, um Unterstützerinnen und Unterstützer zu gewinnen. Das Handbuch „Aktiv für Geflüchtete“ gibt Tipps und Anregungen für die Spendenakquise und Öffentlichkeitsarbeit von Helferkreisen und Vereinen (ab Seite 36).

Das Portal Stifter-helfen vermittelt Produktspenden und Sonderkonditionen für Software und IT-Technik. Gemeinnützige Vereine, Stiftungen und andere Non-Profit-Organisationen erhalten IT-Produkte vergünstigt und können kostenlose Webinare dazu nutzen.

Auf Bildungsspender.de können gemeinnützige Einrichtungen und Projektgruppen Spenden generieren. Kunden unterstützen durch den Einkauf über die Charity-Kauf-Plattform eine vorher selbst ausgewählte Einrichtung finanziell, ohne selbst mehr zu zahlen. Als Empfänger von Spenden können sich alle Einrichtungen registrieren, die in Deutschland als gemeinnützig anerkannt sind. Auch Projekte und Initiativen können über eine gemeinnützige Organisation Spenden erhalten.

Weiterbildungsmöglichkeiten und Kompetenznachweis

Ehrenamtliche bringen viel Zeit, vorhandenes Wissen und Kompetenzen in die freiwillige Tätigkeit ein. Zugleich kann es gewünscht und hilfreich für sie sein, selbst eine Weiterbildung zu besuchen. Wer sich in einer Initiative oder einem Verein engagiert, kann dort direkt nach Möglichkeiten zur Weiterbildung fragen. Es gibt darüber hinaus viele, oft kostenfreie oder günstige Weiterbildungsmöglichkeiten, die sich an Ehrenamtliche richten.

  • Schulungs- und Fortbildungsprogramm „Denk bunt“
  • Flüchtlingsrat Thüringen e. V. / DGB Bildungswerk Thüringen e. V. – Kooperationsprojekt [CoRa]
  • Der Flüchtlingsrat Thüringen e. V.
  • Bildungsnetz für bürgerschaftlich Engagierte der Thüringer Ehrenamtsstiftung
  • Der PARITÄTISCHE Thüringen / Die PARITÄTISCHE Akademie Thüringen
  • Kindersprachbrücke Jena e. V.
  • Heimatbund Thüringen e. V.
  • „Willkommen bei Freunden – Bündnis für junge Flüchtlinge“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung
  • Servicebüro Magdeburg (Landkreise und Kommunen)
  • Freiwilligenagenturen und Bürgerstiftungen

Eine Übersicht zu Weiterbildungsangeboten stellt die Thüringer Beauftragte für Integration, Migration und Flüchtlinge zur Verfügung. Darüber hinaus bieten Fach- und Informationsveranstaltungen thematisches Hintergrundwissen und Austauschmöglichkeiten auch für Ehrenamtliche. Die im Ehrenamt erworbenen Kompetenzen und Erfahrungen können dann wiederum auch bei der Bewerbung um einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz hilfreich sein. Häufig besteht die Möglichkeit, für Weiterbildungen einen Teilnahmenachweis zu erhalten, um erworbenes Wissen und Kompetenzen zu dokumentieren. Auf Anfrage stellen viele Einsatzstellen auch ein Zertifikat für die ehrenamtliche Tätigkeit aus. Hilfreich dafür ist es, die eigenen ehrenamtlichen Tätigkeiten zu dokumentieren und den Zeitraum des Engagements aufzuschreiben.

Ehrenamt

Das Ehrenamtshandbuch "Aktiv für Geflüchtete" (2017) gibt Tipps und Hinweise zum ehrenamtlichen Engagement.

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